Das getarnte Gefühl: Normalität

von 28. Jan 2017

Wenn du dich gefühlsmäßig an die unerwünschte Wahrheit anpasst

 

Zu jedem Thema hast du eine Ansicht, eine Meinung, also Gedanken-Muster. Und diese Muster können natürlich variieren und sich ständig ändern, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sich deine Meinung zum Thema festigt. Das liegt in der Natur der Sache: du bemerkst einfach viel mehr Erlebnisse, die deine Meinung bestätigen und so wird deine Meinung stabiler – du sagst: meine Meinung ist richtig; es ist bewiesen. So verfestigen sich also deine Gedanken und eine »Wahrheit« entsteht.

Diese »Wahrheit« steht jetzt in einem Verhältnis zu dem, was du willst – zu der Wahrheit deines Wunsches, den du zu diesem Thema hast. Das Verhältnis dieser beiden »Wahrheiten« nimmst du als Gefühl war. Zu jedem Thema hast du also ein Gefühl, welches dir anzeigt, wie das, was du gerade denkst zu dem passt, was du möchtest.

Wenn dieses Thema nun eine für dich lange und unerwünschte Geschichte hat, dann erscheint das Unwohlsein, welches du dabei spürst, als ein normales Gefühl, da du es ja ständig wahrnimmst, wenn du an das Thema denkst. Es ist quasi ein alltägliches Gefühl. Es erscheint dir nicht mehr besonders – wie in den Anfangstagen, als du dieses Gefühl deutlicher wahrgenommen hast – meist, weil es sehr unangenehm war. Jetzt ist es normal. Du hast dich daran gewöhnt, du hast dich angepasst, was bedeutet, dass du Erklärungen gefunden hast dafür, warum es nun mal so ist, wie es ist.

Du fühlst also nicht mehr, wie du dich fühlst.

Und deshalb bemerkst du nicht, an welchem Ort du dich befindest auf deinem Weg zum erwünschten Teil dieses Themas. Deshalb erlebst du immer mehr ähnliche Umstände, die zu diesem normalen Gefühl passen und du bekommst das Gefühl, dass alles sehr eingefahren ist und sich nichts wirklich verändert.

Das irritierende Ereignis als Weckruf

Dadurch werden aber die Wünsche größer, dass sich etwas ändern soll. Das bedeutet: die Intensität des Wunsches nimmt zu und somit steigt die Energie, die zum Wunsch fließt. Dies wiederum bedeutet, dass der gleiche Widerstand (deine Wahrheit über das Thema) nun aber eine größerer Spannung entstehen läßt, er also mehr Aufsehen erregt. Wie nimmst du das wahr? Dir begegnen immer mehr unerwünschte Manifestationen. Und das irritiert dich möglicherweise, weil du doch gar nichts »getan« hast, oder irgendwas Negatives passiert ist, dass solche Umstände rechtfertigt.

Immer, wenn das der Fall ist – und du irritiert bist – dann bedeutet das ausnahmslos: du weißt nicht, wie du dich fühlst zum Thema. Du spürst nicht, wie es dir geht.

Dann musst du anfangen wieder genauer hinzuspüren. Das geht schwer im Alltags-Modus, da das Gefühl durch seine Normalität getarnt ist. Besser gesagt: du hast das Gefühl durch die »Wahrheit der Normalität« getarnt.

Wo du aber deutlich etwas spüren kannst, sind jene irritierenden Augenblicke, in denen diese unerwünschten Dinge geschehen. Denn jetzt wird der Alltag durchbrochen durch die Irritation. Diesen Hallo-Aufwachen-Ruf kannst du nutzen um dich zu fragen:

Wie habe ich mich gefühlt, als es passiert ist?

Und dieses aufflammende akute Gefühl zeigt dir, wie du dich die ganze Zeit über fühlst. Es ist die ganze Zeit über da, nur eben nicht so intensiv, nicht so laut wie in diesem Moment.

Wenn du weißt, wie du dich fühlst, weißt du, in welche Richtung deine Reise gehen soll.

Wenn du wieder weißt, wie du dich fühlst, dann weißt du auch wieder, wo du stehst, im Verhältnis zum Erwünschten. Dann weißt du auch wieder, was der nächste Ort wäre – also das nächste Gefühl, auf dem Weg zum Erwünschten – ein Gefühl, dass dich erleichtert fühlen lässt.

»Ich wusste gar nicht, dass ich mich so fühle. Gut, dass ich das jetzt weiß und deutlich spüre. Gut, dass das Gefühl die Tarnung abgelegt hat und ich jetzt deutlich spüre, wo ich stehe. Diese Klarheit verdanke ich nur dem unerwünschten Ereignis. Dadurch spüre ich, wo ich bin und sehe jetzt klarer. Es ist nicht schlimm, wo ich bin, es ist kein Problem, wo ich bin, denn jetzt da ich es wieder weiß, weiß ich auch, wohin die Reise geht und was ich tun kann, um mich besser zu fühlen.«

Also nutze die Irritation und finde heraus wie du dich fühlst, damit du dann anfangen kannst, dich einfach besser zu fühlen und somit deine Reise zum Erwünschten fortsetzt. Egal wo du startest: fühle dich einfach besser.

2 Kommentare

  1. Manuela Willms

    Hallo Michael danke für deine guten Gedanken und die Mühe sie uns mitzuteilen!
    Vieles verstehe ich direkt und stimme dir zu oder gibt mir Zuversicht. Einiges muss
    Ich überdenken und erst mal sacken lassen!

    Antworten
    • Michael

      Ja, da bin ich Deiner Meinung. Manches muss sich erst setzen und verdaut werden. Hier erscheint es natürlich stimmig, das es ja um den Weg aus der Ohnmacht und der Depression geht. Aber das mit dem „muss sich setzten“ wird hier – hoffentlich – öfter sein: auch dann, wenn es zuerst nach „oberflächlichem positiven Denken“ aussieht. Aber wenn es sich setzen darf und verdaut und durchdacht wird, dann zeigt sich, wie es sich natürlich anfühlt und ein inneres tiefes Wissen zustimmt – wie ein erinnern. Mindestes ist es in der Praxis mit den Patienten so – machmal, na ja schon öfters. Ich hoffe es funktioniert hier auch. Hört sich das jetzt schlaumeierig an? Egal!
      Herzliche Grüße
      Michael

      Antworten

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