Das NEIN! Mysterium und Unmöglichkeit

von 3. Nov 2017

In einer therapeutischen Praxis geht es viel um Abgrenzung und Eigenständigkeit. »Wie kann ich besser bei mir bleiben? Wie kann ich klarer meine Grenze ziehen?« In Liebesbeziehungen aller Art ist das ein großes Thema. »Wie sage ich Nein?« Ja, das Nein. Vielgerühmt, oft benutzt und doch ein schwierige Sache, das Nein-Sagen.

Der Glaube an das Nein

Dabei ist interessant, dass wir so von der Wirksamkeit des Neins ausgehen, dass wir uns über ein Nein und seine scheinbare Wirksamkeit gar keine Gedanken machen. Wir gehen einfach davon aus. Wir erleben es ja auch:

»Willst du noch Kaffee?«

»Nein, danke!«

Und wir bekommen keinen Kaffee mehr. Es hat funktioniert.

Im Alltag gibt es unzählige Situationen, in denen diese Art des Neins von allen akzeptiert wird und somit auch funktioniert. Problemlos. Und so wird das Nein zu einer große Sache, weil alle daran glauben.

Das Nein – ein Scheinriese

Ein so großer Klarsteller und Grenzsetzer ist das Nein aber nur aus der Entfernung, dann wenn wir nicht genau hinschauen und uns die oberflächliche Ebene des Kaffes und des normalen Alltagsgesprächs ausreicht. Wenn wir näher rangehen zu Momenten, die Nähe und Tiefe haben, dann schrumpft das Nein zu einem Nichts zusammen und wird so zahnlos wie ein Regenwurm.

Die vielen Bücher und Ratgeber über die richtige Art des Grenzen-Ziehens (ein moderne Art des Nein-Sagens), zeigen wie schwierig es ist, das Nein-Sagen.

Und es ist deshalb nicht einfach, weil es das Nein in Momenten von Nähe und Tiefe nicht gibt!

Es gibt keinen Ausschluss.

Das Leben kennt kein Nein, keinen Ausschluss, keine Ausgrenzung. Das Leben ist integrativ, miteinbeziehend. Das Leben kennt nur ein Immer-mehr-werden: mehr Vielfalt, mehr Wachstum, mehr Ideen, mehr Visionen, mehr Möglichkeiten, mehr Wünsche, immer mehr und immer mehr.

Das Leben ist hinzufügend, nicht ausschließend. Das Leben ist bedingungslos. Das ist die Grundvorraussetzung für Wachstum und Entwicklung.

Das Leben ist ein bedingungsloses JA.

Nein ist ein Ja für das Unerwünschte

Deshalb: wenn wir ein Nein benutzen, ist es genau genommen ein Ja. Ein Ja, das sich auf Unerwünschtes bezieht. Damit machen wir klar, was wir nicht wollen. »Ja, das Unerwünschte möchte ich nicht

Damit sind wir aber auch verbunden mit dem, was wir nicht wollen. Der Fokus liegt jetzt auf dem Unerwünschten! Und wenn der Fokus da bleibt, dann sagen wir energetisch:

»Komm her du Ding, das ich nicht will.«

»Bitte wasch mich, aber mach mich nicht nass.« Wenn du ständig solch paradoxe Anweisungen aussendest, dann treibt das deinen Partner erst in die Hörigkeit und später dann in den Wahnsinn. Vielleicht gefällt dir das ja.

Das Leben reagiert aber anders darauf, als dein Partner: es gibt dir einfach das, was du nicht willst und zwar immer mehr davon.

Dein Gedanke »Nein, das will ich nicht!« übersetzt das Leben in: »Gib mir mehr von dem, was ich nicht will!« Also bekommst du mehr. Dein Aufmerksamkeit lädt es ein.

»Ich mag das nicht!« heißt: »Komm zu mir du Ding, das ich nicht will!«

Alles kommt zu dir, wenn du ihm deine Aufmerksamkeit schenkst. Es ist nur die Aufmerksamkeit wichtig, nicht ob du es magst oder nicht.

Eine Sache – zwei Seiten

Alles hat zwei Seiten: die erwünschte und die unerwünschte (siehe »Beitrag Polarität«). Und du musst wissen, welche der beiden Seiten deine Aufmerksamkeit hat.

Wie weißt du das? Über dein Gefühl! Denkst du an die »Sache« und fühlst dich unwohl, dann bist du bei der unerwünschte Seite der »Sache«. Fühlst du dich wohl, wenn du an die »Sache« denkst, dann bist du bei der erwünschten Seite. (Siehe Beitrag »Wunsch – Küss der Morgenröte oder Schlag in die Magengrube«).

Nur über dein Gefühl kannst du feststellen, welcher Seite du dein Ja schenkst. Ignorierst du deine Gefühle bist du verloren, denn dann weißt du nicht, worauf dein Fokus liegt. Und dann bist du sehr verwundert, dass du das Unerwünschte bekommst, obwohl du es nicht willst.

»Ich hab doch tausend mal Nein gesagt. Laut habe ich es dem Leben entgegen geschrien. Und doch bekomme ich, was ich nicht will. Das ist nicht fair! Wahrscheinlich ist es Karma.«

Nein zu sagen reicht nicht aus

Es ist eben nicht ausreichend, nur Nein zu sagen (oder zu denken). Wenn du nur Nein sagst, bleibt dein Ja (der Fokus) auf dem Unerwünschten. Und dann bekommst du einfach nur mehr vom Unerwünschten.

Was braucht es? Es braucht jetzt einen Wechsel des Fokus hin auf das Erwünschte, um uns vom Unerwünschten zu lösen. »Ja, das Erwünschte ist es, was ich will!«

Du musst klar machen, was du dir stattdessen wünscht. »Nein, das will ich nicht, ich will stattdessen das! Ja, genau das will ich!« Nur so verbindest du dich mit dem Erwünschten.

Nach jedem Nein muss ein Ja folgen.

Ein Grenze ist immer ein Ja

Willst du dich besser abgrenzen und mehr bei dir sein, dann musst du deutlich Ja sagen zu deinen Bedürfnissen. Du machst deine Position deutlich, wenn du weißt, was du willst und wenn du ja dazu sagst.

Mit deinem Bedürfnis grenzt du dich ab. Und nur dein Ja zu deinem Bedürfnis zeigt der Welt, wer du bist.

Dein Bedürfnis ist immer etwas zu haben (niemals etwas nicht zu haben). »Geh weg« ist kein Bedürfnis, aber »ich möchte allein sein« schon. Im ersten Fall sagst du Nein zum Gegenüber und im zweiten Fall sagst du Ja zu dir selbst.

Dein Nein zeigt nur, wo du nicht bist. Mit dem Nein versteckst du dich. Mit einem Ja zeigst du dich und deine Grenze. (Siehe auch »Die vier Säulen der Potentialentfaltung«).

Lange Rede kurzer Sinn

  • »Willst du noch Kaffee?«
    »Nein danke. Ich will lieber ein Glas Wasser!«
  • »Willst du heute ins Kino?«
    »Nein. Ich will heute lieber gemütlich zu Hause sein.«
  • »Willst du Essen gehen?«
    »Nein, lieber nicht! Ich will heute selbst kochen!«
  • »Papa liest du mir vor?«
    »Nein, jetzt nicht. Ich will selbst Zeitung lesen!«
  • »Ich würde gerne auf der Couch mit dir kuscheln. Willst du auch?«
    »Oh. Verlockend! Aber ich will jetzt gerade noch allein sein und fertig lesen.«
    »Schade!«
    »Schön, das du es schade findest!«
    »Später vielleicht?«
    »Ja später will ich auch kuscheln!«
  • »Willst du krank sein?«
    »Oh nein. Ich will nicht krank sein. Das ist schrecklich. Ich will lieber gesund sein. Gesund sein ist herrlich. Ich liebe das herrliche Gefühl von Lebendigkeit, das ich mit Gesundheit verbinde.«
  • »Komm mit, wir wollen etwas Stehlen gehen als Mutprobe.«
    »Nein, da komme ich nicht mit. Ich will lieber Skaten gehen!«
    »Feigling.«
    »Selber Feigling. Ich weiß, was ich will und wer ich sein will. Und du? Weißt du das auch? Mitmacher, Nachmacher. Wie mutig ist das denn, das zu machen, was die anderen machen? Nur um dazuzugehören. Selber Feigling. Ich gehe Skaten!«

Energetisch gesehen gibt es kein Nein. Es gibt nur Ja. Ja zu unerwünschten Dingen, die du nicht willst. Und Ja zu erwünschten Dingen, du sehr wohl willst.

Wenn du Nein sagst, dann sagst du Ja zu den unerwünschten Dingen, die du nicht willst. Deshalb ist dieses Nein nur der erste Teil des Gedankens, dem der zweite Teil folgen muss, indem du Ja sagst: »Ja! Ich will das!«.

Michael Antoni Unterschrift

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