Krankheit als Weg – aber wohin?

von 10. Nov 2019

Krankheit als Weg ist in der alternativen Heilkunde zu einer Redewendung geworden unter der alle sofort (vermeintlich) »verstehen«, was gemeint ist. Krankheit nicht als Zufall zu sehen, ihr eine Bedeutung zu geben, bei der sich in den Symptomen seelische Inhalte ausdrücken ist populär geworden.

Nur hat sich hier eine Deutungs-Gewohnheit eingeschlichen, die ganz schnell Schuldgefühle entsteht läßt. Krankheit bedeutet: »Ich mache etwas falsch.«

Das geht auch anders. Jedoch braucht es dafür ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit. Wie sich mein Verständnis über die 35 Jahre der Anwendung der Krankheitsbilderdeutung verändert hat und was »Krankheit als Weg« für mich bedeutet – alles im Artikel.

Lesezeit: 15-18 Minuten

Bild: ich

Krankheit als Weg ist in der alternativen Heilkunde zu einer Redewendung geworden unter der alle sofort (vermeintlich) »verstehen«, was gemeint ist. Krankheit nicht als Zufall zu sehen, ihr eine Bedeutung zu geben, bei der sich in den Symptomen seelische Inhalte ausdrücken ist populär geworden. Vor allem durch die beiden Klassiker »Schicksal als Chance« (1979) von Thorwald Dethlefsen und »Krankheit als Weg« (1983) von Thorwald Dethlefson gemeimsam mit Rüdiger Dahlke.

Für mich persönlich haben die beiden »Esoterik-Klassiker« für Aha-Momente gesorgt, die schon früh in mir den Wunsch nach einem therapeutischen Beruf entstehen ließen. Auch wenn es noch viele Jahre brauchte, bis ich als Heilpraktiker zu arbeiten anfing, mit »Schicksal als Chance« wurde ich mit dem astrologischen Virus infiziert und mit 16 Jahren war mir schon klar, dass ich Astrologe werden will. Die Leidenschaft für die Astrologie hat den Kurs für mein Leben schon früh gesetzt, dank dieser Bücher.

Und da die Astrologie als Mutter aller Symbolsprachen und mit der Astromedizin als der alten Schule der Symptomdeutung mein Leben bestimmte, war es nur klar, dass mich auch die Krankheitsbilderdeutung stark fasziniert hat.

Das übergeordnete Konzept

Ein bisschen überspitzt und vereinfacht läuft das »Krankheit-als-Weg-Konzept« auf Folgendes hinaus: du kommst hier in dieses Leben mit einer bestimmten Charakterstruktur, mit bestimmten »Lernaufgaben«, die du zu bewältigen hast. Jetzt geht es um das Berühmte »Erkenne dich selbst« und »Werde, wie du gemeint bist«.

Über allem steht eine zielorientierte Entwicklungsidee, die über mehrere Leben hinweg auf das Idealbild des »spirituell-entwickelten Menschen« hinausläuft. Wie ein esoterisches Abitur.

Krankheit als Weg ist immer dann erforderlich, wenn du von deinem vorgezeichneten Lernweg abweichst. Krankheit wird so als Kurskorrektur verstanden. Deshalb zeigen sich in den Symptomen seelische Inhalte, die dir nicht bewusst sind. Krankheit wird zum Ausdruck von Unbewusstheit.

Krankheit als Weg – als ein Umweg unbewussten Lernens

Das Lernen auf dem spirituellen Weg kann so auf zwei Arten reduziert werden:

Erstens: Das bewusste Lernen. Immer achtsam für die Zeichen der Zeit, werden die Lernaufgaben früh wahrgenommen (oder im astrologischen Horoskop abgespickt) und dann an der Entwicklung bewusst und fleißig gearbeitet. »Ich muss darüber arbeiten« ist eine beliebte Redewendung.

Zweitens: Das unbewusste Lernen. Zu sehr beschäftig mit den weltlichen Freuden und Leiden des Lebens, weißt du nicht so recht, was deine Aufgabe ist. Da du »über nichts arbeitest« (weil du ständig an allem arbeitest), verstehst du die Zeichen der Zeit nicht so recht und wirst krank. Jetzt lernst du über Krankheit oder Schicksalsschläge. (»Hättest du nur mal darüber gearbeitet!«)

Dieses Lernen über den Umweg Körper wäre nicht nur das unbewusste Lernen, es wäre auch das minderwertige Lernen. Die Materie läßt angeblich die Lerninhalte über die körperliche Ebene nicht vollständig aufnehmen und bewusst werden.

Damit wird Krankheit immer auch ein bisschen zur Strafe mit der Aufforderung, es besser zu machen.

Die konkrete, persönlich sinnvolle Bedeutung, die Krankheit aus meiner Sicht für jeden Kranken hat, wird durch diesen übergeordneten Kontext zu einer völlig unsinnigen Botschaft verfälscht, die in die Welt hinausposaunt:

Du bist krank! Du bist nicht ausreichend genug entwickelt! Du machst etwas falsch!

Was sagt diese Botschaft aus? Sehr wenig über die Richtigkeit der Deutung und ganz viel über die Sichtweise, die solch einer Deutung zugrunde liegt.

Schuld und Scham

Zu was führt diese Sichtweise? Krankheit geht so fast immer einher mit Gefühlen wie Schuld und Scham. So gut wie jeder Patient in meiner Praxis kommt mit solchen Gefühlen bezüglich seiner Erkrankung.

Religiöse Schuld (Krankheit ist Strafe für meine Sünde), spirituelle Schuld (Krankheit ist Ausdruck meiner unentwickelten Seele), karmische Schuld (Krankheit ist ausgleichende Sühne für die Verstrickungen in früheren Leben) oder ökologische Schuld (Krankheit ist Ausdruck falscher Lebens- und Ernährungsweise). Und viele Arten der Schuld mehr.

Da haben wir also ein Krankheitsverständnis entwickelt, welches durch eine »Deutungsgewohnheit« den Eindruck vermittelt, dass ich etwas falsch gemacht habe, es immer noch falsch mache, unbewusst bin, voller Schatten, ganz im Widerstand und der Verleugnung. Und das schlimmste daran: die Schmach ist sichtbar für alle.

Krankheit wird als eine Art Bestrafung empfunden, wie der Rohrstock des strengen Schuldirektors auf dem spirituellen Internat für Erleuchtung, der mich vor den Augen der Öffentlichkeit züchtigt.

Das führt zu zwei wichtigen Punkten:

  1. Die geförderten Schuldgefühl sind ein Zwickmühle: denn solange du dich schuldig fühlst, kannst du nicht gesunden. Meiner Erfahrung nach ist das Schuldgefühl der Hauptgrund, welcher den Genesungsprozess behindert und verlangsamt.
  2. Der Genesungsprozess rückt in den Hintergrund.
    Der Heilungs-Weg, der von da an gegangen wird mit all seine Erkenntnissen und Erlebnissen, mit all seinem Wachstum, mit all den Lösungen wird völlig übersehen.

Das Geschenk der Genesung

Wir sind so sehr von der Problem-Verhinderungsstrategie eingenommen, dass wir ganz aus dem Auge verlieren, was alles geschehen kann, wenn ein erfolgreicher Genesungsprozess zu Lösungen führt. Und das ist nicht wenig!

Jeder erfolgreich genesene Patient, ist nicht einfach nur wieder die Person, die sie vor der Erkrankung war. Nein! Der genesene Patient empfindet sich als bereichert, als mehr, als entwickelter – manche sprechen sogar von beschenkt. Etwas ist durch die Erkrankung und die Genesung hinzugekommen. Etwas, was es vorher nicht gab.

Frage: Wieso soll ich mich also für etwas schämen, bei dem ich weiß, dass wenn alles gut geht, ich am Ende etwas Bereicherndes haben werde, was ich bis jetzt noch nicht habe?

Antwort: Weil mir erzählt wird, dass es einen besseren, weil bewussteren Weg gegeben hätte, auf dem ich nicht hätte krank werden müssen.

Krankheit als Weg – ein Beispiel

Nehmen wir an, jemand kommt in die astrologische Beratung und erzählt seine Geschichte. Da ist von schweren Depressionen und einem missglückten Suizidversuch die Rede. Nach dem Suizidversuch verändert sich jedoch alles. Das Leben dreht sich um 180 Grad: der alte Beruf wird gekündigt und eine therapeutische Ausbildung wird gemacht. Diese neue Richtung passt sehr gut. Alles entwickelt sich sehr erfolgreich und befriedigend. Die Person fühlt sich glücklich.

Klassische Deutung (sehr knapp): der astrologische Blick in ihr Horoskop würde natürlich diese therapeutische Dimension zeigen, die gelebt werden will, aber von der Person zuerst nicht gelebt wird. Schlussfolgerung: ursprünglich sah diese Person ihre Aufgabe nicht; ihre »Lernaufgaben« waren ihr nicht bewusst.

Krankheit als Korrektiv zwang die Person, den »richtigen« Weg einzuschlagen. Da das korrigierende Geschehen sehr heftig und intensiv war, würde man daraus schließen, dass die Person sich unbewusst sehr gewehrt hat und nicht willens war, freiwillig dazuzulernen. »Und bist du nicht willig, so …«

Hätte die Person die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt, dann hätte sie viel früher angefangen, in sich zu gehen, »darüber zu arbeiten« und die entsprechenden Anpassungen freiwillig vorzunehmen. Und so hätte alles nicht so kommen müssen. Hätte, hätte, hätte.

Wir können uns nun stundenlang damit aufhalten, ob die schwere Zeit nicht vermeidbar gewesen wäre und was die schwere Zeit alles scheinbar aussagt über die Person. Und dabei wird das Wichtigste schnell übersehen: die neue Lebensqualität, welche das Leben dieser Person jetzt bereichert.

Hätte sie all diese Tiefen nicht erlebt und gleich einen therapeutischen Beruf gewählt, wäre sie dann auch so gut in ihrem therapeutischen Beruf? Auch das ist Spekulation, aber vermutlich nicht. Warum? Weil das Erleben tiefer Depression, das Erleben sich selbst das Leben nehmen zu wollen, etwas mit dir macht.

All das »beschenkt« dich mit Erfahrungen, die du nie und nimmer auf andere Art und Weise in »light« machen kannst. Und genau diese Erfahrungen sind jetzt unglaublich wertvoll im neuen Beruf. Diese Person würde auch nicht sagen: hätte ich nur, dann wäre … Diese Person sagt: »Ich wäre nicht die Person, die ich heute bin, ohne diese schwere Zeit. Es ist gut, wie alles gelaufen ist.«

Ich weiß, dass man so etwas immer erst nach der Genesung sehen kann und schwer währenddessen. Aber das Wissen, wie sich Patienten nach der Genesung fühlen, kann uns die Scham und die Schuld nehmen, die wir währenddessen haben.

Das Wissen kann uns nicht die Schwere, die Last und die Mühsal nehmen, aber die kollektiven Schuld- und Scham-Gefühle, die sich einfach einstellen, weil ich krank bin.

Zeit für Neues – Krankheit als Weg zur ganzheitlichen Lösung

Ich finde, es ist an der Zeit, diese stark auf dem klassischen Schulsystem aufgebaute esoterische Sichtweise hinter uns zu lassen. Warum? Weil sie meiner Meinung nach nicht stimmt (mindestens meistens).

Nach 34 Jahren »Arbeit« und praktischer Erfahrung mit dieser Idee, davon 18 »nur« astrologisch beratend und danach auch 16 Jahre therapeutisch arbeitend, habe ich die Idee lieben und anwenden gelernt. Aber so viele persönliche Erlebnisse, Erfahrungen mit Patienten und Klienten zeigen mir: diese Idee ist nicht (mehr) förderlich und passt einfach nicht mehr.

Drückt Krankheit seelische Inhalte aus? Absolut. Hat sie also Bedeutung? Ganz sicher. Kommt sie zufällig? Ganz sicher nicht. Ist sie Ausdruck von Unbewusstheit? Ich glaube nicht! Drückt sie aus, dass mir etwas fehlt? Nein. Drückt sie aus, dass ich etwas falsch mache? Nein. Ist Krankheit unvollständiges Lernen? Absolut nein.

Ja aber was drückt Krankheit dann aus? Dass ich wachse! Krankheit zeigt, dass ich lerne. Und zwar etwas, was ich offensichtlich am »leichtesten« und vor allem am ganzheitlichsten über die Erkrankung lerne. Nämlich über die Einheit von Körper – Geist – Seele.

Krankheit ist Ausdruck vom Wachstum meiner Potentiale. Krankheit zeigt, das neue Lösung entstanden sind, die auf meine Erkundung warten. Und genau diese Lösungen hätten nie über etwas anders entstehen können.

Bitte was?

Wenn wir das so sehen könnten, dann wäre keine Schuld und Scham nötig und wir könnten schneller das erreichen, was Krankheit eigentlich will: uns zu einer neuen Lebensperspektive führen.

Und das Wort »neue Lebensperspektive« drückt es schon aus: sie ist neu. Diese Lebensperspektive gab es vorher nicht, deshalb konnte sie auch zu keiner Zeit unbewusst sein. Und was noch verrückter ist: diese neue Lebensperspektive ist erst durch die Erkrankung entstanden.

Endlich könnte es um den Prozess gehen, um den Weg und nicht mehr um den Start-Ort und was dieser alles vermeintlich ausdrückt. Dieser Start-Ort ist eben dein Start-Ort und kann nicht verglichen werden mit den Start-Orten anderen Menschen.

Wenn du aber deinen Ort und deinen jetzigen Zustand vergleichst mit anderen, produzierst du auch damit Schuld und Scham. Und da du glaubst, dass es da eine Art Bildungsministerium gibt, welches die Ziel-Orte für alle gleichermaßen festlegt und alle das gleiche erlernen und erreichen müssen, meinst du, dass du dich vergleichen könntest mit den anderen. Und deshalb glaubst du auch, dass die Schuld berechtigt ist.

Aber diese Vergleiche bringen keine schlüssigen Ergebnisse. Warum? Weil alle anders sind. Jeder will etwas anderes erforschen und erlernen. Wirklich jeder etwas ganz Eigenes. Deshalb gibt es da keinen gemeinsamen Notenschlüssel. Und da es keinen gemeinsamen Notenschlüssel gibt, können die Ergebnisse nicht verglichen werden.

Deine Probleme und Erkrankungen sind keine mathematische Gleichungen. Du kannst hier kein »Copy & Paste« machen und die richtige Lösung aus einem Formelbuch abschauen. Allenfalls kannst dich dich inspirieren lassen. Aber am Ende musst du es zu Deinem machen, weil das Leben genau deine Erkenntnis braucht.

Nochmal: das Leben baucht deine individuelle Erkenntnis.

Wichtig ist: egal von wo aus du dich auf den Weg machst, du kommst immer an in Wohlbefinden und Glück, wenn du den »Genesungsprozess« im Blick hast und dich nicht verzettelst und verirrst in irgendwelchen Vergleichen mit anderen und Erklärungen und Rechtfertigungen, warum nun das genau dein Start-Ort ist und was er über dich aussagt.

Der innere Arzt und sein Wissen

Wir reden oft über Selbstheilungskräfte: über eine Art inneren Arzt, der uns gesunden läßt oder eine höhere Intelligenz, die weiß, was zu tun ist oder eben die Lebenskraft, die unseren Organismus regelt und ihn im Gleichgewicht hält.

Doch dabei machen wir uns selten Gedanken darüber, woher das Wissen kommt, was denn nun für uns Gesundheit ist. Uns ist meist auch klar, dass Gesundheit etwas sehr Subjektives ist und kaum mit den allgemeinen Werten der Weltgesundheitsorganisation zu tun hat.

Aber wir tun so, als ob das Wissen einfach da ist – schon immer da war. So als ob mit der Geburt ein Gesundheitsdatensatz – womöglich genetisch – installiert wird und damit alles für das jetzige Leben definiert wäre.

Aber so einfach ist das ist nicht.

Zum Einen lassen wir eine äußere Instanz darüber bestimmen, was für uns Gesundheit bedeutet (Gott, Religion, Arzt, Eltern, Gesellschaft etc.). Diese statischen Werte und Moralvorstellungen machen wir schnell zur dogmatischen Marschrute. Auch wenn das im Sinne des Weltbildes ist, in dem sich die meisten bewegen, so widerspricht das jeder Selbstheilungs-Therapie. Jeder gesundete Patient in meiner Praxis erzählt eine gegenteilige Geschichte.

Zum anderen macht das Gesundheit zu etwas sehr Statischem. Doch Gesundheit scheint ein sehr dynamisches Etwas zu sein. Das, was gestern noch gesund für mich war, ist es oft morgen schon nicht mehr. Die Dinge, die gut für mich sind, ändern sich. Gesundheit ändert sich. Vermutlich hat das Wesen der Gesundheit sehr viel mehr mit dem Wesen der Veränderung zu tun, als mit dem der Konstanz.

Selbstorganisation und Gleichgewicht

Betrachten wir das Mal unter der Gleichgewichtsidee der Homöopathie. Wir gehen hier ja davon aus, dass die Lebenskraft ein Gleichgewicht anstrebt. Ist die Lebenskraft im Gleichgewicht äußert sich das in Gesundheit. Entsteht ein Ungleichgewicht äußert sich das in Krankheit.

Nun wissen wir ja, dass auf der Ebene unseres Bewegungsapparates das Gleichgewicht nicht konstant aufrecht erhalten werden kann. Wenn du stehst, verlierst du das Gleichgewicht immer wieder, nur, um es daraufhin wieder neu zu finden. Dieses immer-wieder-das-Gleichgewicht-Finden geht so schnell, dass es so aussieht, als wärst du konstant im Gleichgewicht.

Die Fähigkeit, ins Gleichgewicht zu finden, wird um so stärker, je mehr Übung du darin hast. Und: du findest nie das gleiche Gleichgewicht wieder, sondern immer wieder ein anderes neues.

Das wiederum bedeutet: findet ein Patient aus seinem Ungleichgewicht (Krankheit) ins Gleichgewicht (Gesundheit), dann ist das nicht das Gleichgewicht vor der Erkrankung, sondern es ist eine neue Ebene der Gesundheit erreicht, bereichert mit den Erfahrungen des im Ungleichgewicht-Seins und des wieder-ins-Gleichgewicht-Kommens.

Die Krankheit zeigt deinem inneren Arzt, was Gesundheit ist

Woher weiß also dein innerer Arzt um deine Gesundheit? Durch deine Krankheit. In dem Moment, in dem du erkrankst, entsteht gleichzeitig das Wissen um genau die Art von Gesundheit, die du willst. Diese Gesundheit ist jetzt zwar »nur« potentiell, da die Erkrankung in diesem Augenblick deine Realität noch bestimmt. Aber wenn du nun gesundest, dann entfaltet sich die potentielle Gesundheit zu einer realen – maßgeschneidert für dich.

Ich hoffe, darüber wird klar, wie wichtig Krankheit ist? Wie wichtig jedes Problem für die Lösung ist? Wie wichtig jeder Fehler für das Richtigmachen ist?

Wir alle sagen gerne, dass wir nur aus Fehlern lernen, versuchen aber alles, um Fehler zu vermeiden? Warum? Weil ein Fehler so gedeutet wird, dass er vermeintlich anzeigt, dass ich etwas falsch gemacht habe. Wir deuten den Fehler nicht so, dass er aller Welt zeigt, dass ich gerade dabei bin, viel zu lernen.

Und darauf will ich hinaus: wenn uns klar wird, wie wichtig Probleme, Fehler und Erkrankungen sind für die neuen Lösungen, das neue Richtige und die neue Gesundheit, dann können wir diesen Momenten, in denen wir erleben, was wir nicht wollen, eine neue Bedeutung geben. Denn ohne sie könnten wir nicht wissen, was wir wollen. Ohne sie könnte Gesundheit sich nicht entwickeln, könnten keine neuen Lösungen entstehen, wäre das Lebendige nicht in ständiger Entwicklung.

Deshalb ist Schuld und Scham unnötig wenn du diese Ungleichgewichts-Momente erlebst.

Krankheit als Zufall

Müssen wir Krankheit eine Bedeutung geben? Müssen müssen wir gar nichts. Für mich macht es aus vielerlei Gründen Sinn. Für mich hat Krankheit Bedeutung und tritt nicht zufällig auf. Für dich vielleicht nicht. Aber das ist nicht so wichtig.

Wir alle dürfen das gerne so sehen, wie wir es eben jetzt sehen wollen. Gerade deshalb können wir es auch so sehen, dass wir keine Schuldgefühle haben müssen. Denn eines ist in meiner Erfahrungswelt gewiss: bleiben deine Schuldgefühle (ob aus Patientensicht gerechtfertigt oder ungerechtfertigt), bleibt die Erkrankung. Lösen sich die Schuldgefühle auf, verläuft der Genesungsprozess so leicht und schnell wie es die Schwere der Erkrankung zuläßt.

Ob du Krankheit als Zufall betrachtest oder ob du ihr Bedeutung verleihst, ist für den Genesungsprozess nicht so wichtig wie manch Krankheitsdeutung-Apostel gerne behauptet. Die Schuldgefühle dagegen schon. Sie sind (wie alle Gefühle) für das Erleben deiner Wirklichkeit bestimmend. Also leg sie ab.

Krankheit als Weg – wohin jetzt?

Ist für mich Krankheit ein Weg? Ja, aber kein Weg der Korrektur. Kein Weg der Buße. Ist es ein Lernweg? Ich denke schon. Aber ich lerne hier nichts, was ich anders hätte besser lernen können. Krankheit ist kein Lernweg zweiter Klasse. Kein Umweg, den ich mir hätte ersparen können, wenn ich nur bewusst gewesen wäre.

All diese Sichtweisen reduzieren die Bedeutung von Krankheit auf ein Nachsitzen in der Schule des Lebens, bei dem trotzige Lernverweigerer einer Zwangsbelehrung unterzogen werden. Mein esoterischer Anfängereifer kombiniert mit meinem astrologischen Allmachts-Hochmut haben mich das viele Jahre so sehen lassen.

Doch jetzt muss ich sagen: das Leben läuft so nicht. Entwicklung läuft so nicht. Alles, was ich erfahren habe, widerspricht dieser engen, strengen, auf das eine Richtige abzielenden Spiritualität, die wir in jeder Kultur als Mainstream-Spiritualität finden.

All diese Sichtweisen übersehen den unglaublichen Mehrwert, der entsteht, wenn die Krankheit überwunden ist. Hier kommt nichts hinzu, was mir unbewusst war. Deshalb hätte ich es nicht durch vorbeugende Bewusstseinsarbeit verhindern können. Es kommt etwas völlig Neues hinzu. Etwas Großartiges. Und dieses Großartig-Neue entsteht im Augenblick der Erkrankung. Das Erleben der Erkrankung läßt das Wissen um meine einzigartige Gesundheit entstehen. Und Krankheit als Weg ist jetzt der Weg der Genesung, welcher aus dem neu entstanden Gesundheits-Potential eine abrufbare Gesundheits-Ressource macht. Das ist für mich Krankheit als Weg. Ein Weg, auf dem Potentiale zu Ressourcen werden.

Muss man sich dafür schämen, sich neue Ressourcen zu erschließen? Sicher nicht. Deshalb ist das Schuldgefühl nicht nur nicht angebracht, es ist künstlich erzeugt von einer Gesellschaft mit einem Menschenbild, welches dem Menschen jegliche Lust und Freiwilligkeit auf Entwicklung und Wachstum abspricht und ihn mit der Peitsche zur Entwicklung zwingt und genormte Ziele festlegt, die es zu erreichen gilt.

Und in diesem Weltbild wird die Sprache der Symptome übersetzt in eine Botschaft, die aller Welt zeigt, was ich falsch mache. Doch eigentlich erzählt diese Sprache, welche Potentiale entstehen und was als Ressource auf mich wartet.

Wenn ich diese Sprache der Symptome so anwende und übersetzte, verschwinden die Schuldgefühle wie von Zauberhand und weichen einer aufgeregten Neugierde für das, was da kommen mag – einzigartig und selbst erschaffen. Der Krankheit sei Dank!

Michael Antoni

4 Kommentare

  1. Dietmar Hörl

    Lieber Michael,

    sehr schön gesagt. Vielen Dank für diese Schönen Worte. Sie haben mich sehr berührt.

    Liebe Grüße
    Dietmar

    Antworten
    • Michael

      Lieber Dietmar,
      danke für deine wohltuenden Worte.

      Herzliche Grüße Michael

      Antworten
  2. Vera Orsag

    Lieber Michael,
    Ein wundervoller Beitrag! Es ist mir schon passiert, dass ich ein „laestiges“ symptom befragte, wozu es denn bitteschoen da sei. Und die antwort war meist: ich bin fuer dich da! In dem moment war das „unsinnig“, aber spaeter stellte es sich immer als total foerderlich fuer eine andere neue entwicklung heraus 🙂 (egal was es war: neuer therapeut, neuer lehrer…es ging immer auf einer anderen ebene weiter)
    Liebe Gruesse Vera
    Ps: deinen liebesbrief ans geld fand ich auch ganz zauberhaft, und habe beim video mehrmals vor vergnuegen applaudiert.

    Antworten
    • Michael

      Liebe Vera,
      ja, das ist auch meine Erfahrung. Ich finde es wunderbar, dass du mich an deinem „Vergnügen“ teilhaben läßt. Vielen herzlichen Dank.
      Liebe Grüße Michael

      Antworten

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