Unbewusst – die große Ausrede

von 15. Mai 2018

Ich muss sagen: der praktischen Umgang mit dem Konzept des Unbewussten ist für mich einfach nur eine große Ansammlung von Ausreden und Erklärungsansätzen, warum Dinge geschehen, die ich nicht will.

Ich glaube, wenn du am Konzept des Unbewussten festhältst, dann hilft dir das nicht, ein selbstbestimmtes freudiges Leben zu leben. Das kann man alles anders sehen. Zumindest sehe ich es anders. Ich bin gespannt ob »Unbewusst – die große Ausrede«  dich zu nachdenken anregt. 

Lesezeit: 5:15 Minuten

Bild: pixabay.com

Warum hast du das getan? »Ich weiß es nicht, es war unbewusst. Meine Unbewusstes spielt mir immer wieder solche Streiche, mit denen ich mich sabotiere. Woher kommt das? Wie kann ich damit aufhören, das Opfer meines Unbewussten zu sein?«

Gleich vorweg: ganz sicher bin ich keine Experte für das Unbewusste. Ich weiß nur eines: dieses Konzept des Unbewussten – ob nun kollektiv oder individuell – muss viel zu oft herhalten für Ausreden.

Am häufigsten wird diese Ausrede vom Unbewussten benutzt, wenn kein Gespür für die aktuelle Position und Bewegungsrichtung vorhanden ist.

Siehe »Topfschlagen-Video«.

Wenn du nicht spürst, wie es dir geht, das bedeutet, wenn du nicht spürst, wo du dich gerade befindest und in welche Richtung dich die Bewegungsenergie bewegt, dann erscheinen dir die Auswirkungen, die Situationen und Manifestationen als zufällig und »aus heiterem Himmel« kommend. Gerade dann, wenn sich unerwünschte Umstände gestalten, lautet die Erklärung: unbewusst, der große unbewusste Widersacher, der große unbewusste Saboteur.

Für mich ist das ein typische Muster. Es wird eine ganze Instanz personalisiert, um das eigene Unvermögen sich selbst zu spüren und wahrzunehmen zu kaschieren. Jegliche »Figur des Bösen« entsteht aus diesem Grunde. Es erscheint immer leichter, die Verantwortung abzugeben an irgendwelche »Kräfte und Anteile«, denen wir ausgeliefert erscheinen oder gegen die wir wieder einmal eine »Schlacht« verloren haben.

Gefühl & Ereignis

Angenommen du würdest dich einigermaßen fühlen können. Dann ist es doch so: wenn ein Thema aktiv und dominant ist, also eine große Rolle spielt, dann spürst du es auch. Dann ist es nicht unbewusst im Sinne von ungefühlt. Und dann gibt es auch keine böse Überraschung.

Und anders herum: wenn du es nicht spürst, dann ist das Thema nicht aktiv und spielt damit keine große Rolle und kann sich damit auch nicht manifestieren und somit auch nicht Teil deiner Erfahrungswelt werde.

Manifestiert sich also etwas Unerwünschtes überraschend für dich, dann hat hier eine Thematik ihr bisheriges Maximum an Energie erreicht – von dir unbemerkt. Und das ist erstaunlich: denn die Intensität des Gefühls hat eben auch sein bisheriges Maximum erreicht. Wir reden also von viel Gefühl, welches du nicht wahrgenommen hast.

Du fühlst es erst, wenn dir die Umstände begegnen. Dann hast du eine sprichwörtliche Gefühlsexplosion »wie aus heiterem Himmel«. Aber genau dieses Gefühl, welches dich in diesem »Moment der Wahrheit« überkommt, gab es schon lange Zeit vorher: nicht ganz so intensiv, aber dafür schon eine ganze Zeit.

Das du es erst spürst, wenn die »Kacke am dampfen ist« zeigt nur, wie wenig du auf deine Gefühle achtest oder wie du mindestes dieses Gefühl im Bezug zu dieser Thematik begraben hast (siehe »Gefühlsgrab«). Vielleicht ist an dieser Stelle das Video »Die drei häufigsten Fehler im Umgang mit negativen Gefühlen« ein guter Hinweis?

Auch bei Impulsen, die dich etwas machen lassen, was nicht gut für dich ist, gilt das gleiche: du spürst nicht die Zunahme der unerwünschten Bewegungsenergie, aus der heraus sich der Impuls bildet. Siehe Video »Folge deiner Intuition«.

Unbewusst als Ausrede ist trennend

Wenn du jetzt als Ausrede dein großes Unbewusstsein zitierst, dann trennst du dich noch mehr von dir und machst es nur noch schwieriger, Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen. Warum? Weil alles, was dir da widerfährt, von dir nicht mit deinen Gefühlen verbunden wird, sondern mit irgendeiner Instanz in- oder ausserhalb von dir: Unbewusstes, Saboteur, Dämon, Schicksal, Gott, Teufel.

Und diese Instanz stellst du dann über dich, gibts ihr Macht und suchst nach Regeln und Ordnungen, denen du dich unterordnen kannst, damit dir diese Instanz wohl gesonnen ist.

Warum nicht einfach besser fühlen?

Warum so kompliziert? Warum nicht einfach mehr auf das Fühlen achten? Warum nicht lernen, dich einfach besser zu fühlen? Das Motto dieses Blogs »einfach besser fühlen« hilft dir, nicht nur dich besser wahrnehmen zu können und mit deinen Gefühlen besser umzugehen, sondern es hilft dir vor allem auch deine Erlebnisse besser zu verstehen, die Folgerichtigkeit zu erkennen und dich wieder als Schöpferin und Schöpfer deine Realität zu fühlen.

Alles, wirklich alles rutscht dann wieder in deine gestalterischen Hände. Und keine kontrollierende, beurteilende, bestrafende, erlaubende äußere Instanz ist nötig. Du fühlst, dass du es selbst bist. Du bist es. Du erschaffst das Erwünschte und das Unerwünschte. Du und nur du.

Erlebst du immer wieder ein überraschend unerwünschtes Muster, dann mag das viele Gründe haben (siehe das »Wiederkäuer-Muster«), aber immer, ausnahmslos immer fühlst du nicht wie du dich fühlst.

Unbewusst – die Ausnahme

Es auf das Unbewusste zu schieben, hilft dir nur, wenn dir diese Erklärung Erleichterung verschafft.

Alles, was dir Erleichterung verschafft, ist hilfreich und gut.

Aber das ist immer relativ und temporär. Siehe hierzu »Wut – das tabuisierte Gefühl« und »Gefühls-Skala – Orientierung im Prozess«.

Wenn du dich also erleichtert fühlst, mit der Erklärung »unbewusst«, dann großartig. Es gibt einen Punkt, da ist es gut, weil erleichternd, jemandem die Schuld zuzuschieben. Das ist gut so. Und wer diese Schuld bekommt (Mutter, Vater, Gesellschaft, Unbewusstes, Schicksal, Gott, Dämon, Teufel etc.) ist völlig egal. Hauptsache du fühlst dich erleichtert.

Aber irgendwann im weiteren Verbesserungsprozess rutsch du selbst in den Fokus und das Außen wird unwichtig. Die Schuldfrage wird unwichtig und du selbst und deine Bedürfnisse und Gefühle werden immer wichtiger. Und dann spürst du, dass es sich ab jetzt nicht mehr erleichternd anfühlt, wenn du die Schuld zuweist. Im Gegenteil: du fühlst schlechter, wenn du das machst.

Jetzt bist du an einem Punkt im Verbesserungsprozess angekommen, an dem es nicht mehr um Schuld geht. Es hilft dir nicht mehr. Du fühlst keine Erleichterung mehr. Die Außenwelt und die Instanzen werden unwichtig und du mit deine Gefühlen und Bedürfnissen wirst wichtig.

Und an diesem Punkt fängst du an, mehr auch deine Gefühle zu achten, Verantwortung für deine Bedürfnisse zu übernehmen und zu lernen, dich einfach besser zu fühlen. Und darüber bekommst du deine Leben wieder mehr in den Griff und läßt das Gefühl des Ausgeliefert seins hinter dir.

Bleibst du aber in diesem »irgendwas/irgendwer ist Schuld-Reflex« stecken – was am Anfang ein natürlichen und sinnvoller Impuls zur Verbesserung ist –, dann führt dich das zurück zur Ohnmacht und Betäubung. Du fühlst dich dann ausgeliefert.

Und dieses Gefühl des Ausgeliefert Seins lenkt deinen Fokus eben noch mehr in die Außenwelt und zur Erwartungshaltung, die du da draußen wahrnimmst. Was zu Folge hat, dass du dann immer weniger auf deine Bedürfnisse und Gefühle achtest, weil du sie immer mehr als unwichtig und störend erlebest.

Willkommen im Gefühlsgrab.

Was ist zu tun?

Ich hab immer die gleiche Antwort: lerne, dich einfach besser zu fühlen. Bedeutet: spüre wieder hin, nimm dich und deine Gefühle wieder ernst.

Sei den Momenten der Wahrheit dankbar, in denen für dich überraschend Unangenehmes geschieht: sie zeigen dir, wie du dich schon lange fühlst, von dir unbemerkt (siehe auch »Das getarnte Gefühl« und »Krankheit ist ein Indikator«). Es gut und wichtig, dass du eine Ortsbestimmung hast und endlich weißt, wo du stehst.

Und von da an ist es ein »leichtes«: ein Schritt nach dem nächsten immer in Richtung leichter. Dein Organismus kennt den Weg. Siehe Beitrag »Darüber, dass du weißt, das Aua aua ist.« Lausche den Vögeln und lese aus dem Telefonbuch vor und staune, wie das deine Stimmung erleichtert, den Widerstand verringert und dir Ereignisse vor die Nase zaubert, die immer zu dem passen, was gerade geschieht.

Sonnige Grüße

Michael Antoni Unterschrift

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