Jammerdiät – Workout of the week #2


von 9. Mai 2017

Dieser »Workout of the Week« ist nichts für Weicheier. Die Jammerdiät ist ziemlich hart, aber super effektiv.

  • sechs Tage kein Gejammer
  • am siebten Tag ist Ausnahmetag: jammern ohne Ende
  • dann wieder sechs Tage kein Jammern
  • und so weiter.
  • mindestens 2 Wochen

Hintergrund der Jammerdiät:

Eine therapeutische Praxis ist natürlicherweise auch oft ein Ort des Jammerns. Die Patienten beklagen sich, erzählen, was alles schief läuft, wie schlecht es ihnen geht und überhaupt. Und das soll es ja auch sein – auch!

Jammern hat etwas Erleichterndes – kurzfristig

Jammern ist kurzfristig gut. Es ist wichtig, all diesen »Scheiß« mal rauszulassen. Ob das ein Freund ist, der sich das anhören muss oder der Partner oder der Therapeut – egal! Die Leute wollen Jammern und es tut ihnen gut. Erst mal. Kurzfristig.

Das Wiederbeleben des Jammers

Aber mit der Zeit verändert sich das. Das, was letzte Woche so erleichternd und befreiend war, fühlt sich diese Woche gar nicht mehr so an. Jetzt ist es eher so, als ob man eine Zeitreise zurück machen würde, um mit dem alten Jammer fortzufahren. Und dieses »Wiederbeleben des Jammers« ist nicht mehr erleichternd. Irgendwann ist genug gejammert.

»Wenn du jammerst, hilft dir keiner.«
Stephen Hawking 

Die Jammerspirale ins Jammertal

Die Schwierigkeit: die meisten finden den Absprung nicht. Sie gewöhnen sich ans Jammern und beklagen sich immer weiter – natürlich aus guten Gründen. Aber das läßt jetzt eine Jammmerspirale entstehen, die immer mehr ins Jammertal führt. Und in diesem Jammertal gibt es immer mehr Gründe, die mich zum Jammern verführen.

Mein Tip: Jammerdiät

Die Jammerdiät ist vor allem für die, die objektiv viele Gründe anführen können, um zu jammern.

Das gilt auch für das stille Jammern, bei dem ich mich bejammere ohne es auszusprechen. Also auch kein Jammerdenken. Radikale Jammerdiät.

Das Ziel: Absichtliches Jammern wieder genießen zu können.

Diese Enthaltsamkeit führt zur Erfahrung, dass chronisches Jammern destruktiv ist. Und es macht erfahrbar, wie wohltuend diese jammerfrei Zeit ist.

Dosiertes, absichtliches Jammern ist Goldwert und köstlich.

Absichtliches Jammern ist für die außergewöhnlichen Momente reserviert, in denen es mir schlecht geht. Ich bemerke es, drücke es aus (Jammer) und erlebe die Erleichterung. Außergewöhnlich bedeutet dabei nicht, dass es nur ein Mal im Jahr ist oder so. Das hat nichts mit Häufigkeit zu tun. Mit »Außergewöhnlich« meine ich, etwas aus der Reihe tanzendes, etwas, das mit dem Alltäglichen bricht. Das kann ja mehrmals am Tage sein.

  • Ich stelle fest, das will ich nicht, ich fühle mich schlecht.
  • Kurzes, gezieltes Jammern schafft die wichtige Erleichterung.
  • Jetzt wird der Fokus auf die erwünschte Richtung gelenkt.

Absichtliches Jammern drückt mein im jetzigen Augenblick wahrgenommenes Unwohlsein aus, und ist dadurch der erste Schritt der Erleichterung. Dann folgen weitere Schritte, die mich wieder mehr zum Positiven führen.

Chronisches Jammern ist destruktiv

»Wer seine Zeit damit verbringt, sich auf das zu fokussieren, was nicht gut ist, und das anderen gegenüber äußert und auf sie projiziert, der lässt andere nicht wachsen, sondern destruktiv werden.« Tracy DiNunzio

Beim chronischen Jammern, ist das Jammern der Alltagszustand. Ich jammere jetzt über das Jammern. Das Jammern hat sich verselbstständigt. Es hat keine Erleichterungsfunktion mehr, sondern ist eine »das bin ich« Beschreibung. Es legt mich fest und gehört zu meiner Identität. Daraus beziehe ich meine Identität. Damit wird meine Geschichte immer mehr mit Jammern gefüllt. Und dann wird es schwierig: will ich das Jammern und all die Gründe für mein Jammern loswerden, muss ich meine Geschichte loslassen, meine Identität loslassen. Das ist kaum zu schaffen. Deshalb können viele nicht aufhören mit dem Jammern.

Jammern ist ein Luxus, den ich mir gönnen muss. Wie ein leckeres Stück Sahnetorte. Und eine Jammerdiät macht mir das wieder bewußt.

Der Ablauf der Jammerdiät

  • Sechs Tage kein Gejammer
  • Am siebten Tag ist Ausnahmetag: jammern ohne Ende
  • Dann wieder sechs Tage kein Jammern
  • Und so weiter.

Der Rahmen

Da Jammern eine Gewohnheit ist, ist es schwierig, selbst festzustellen, dass man Jammert. Deshalb braucht es Hilfe. Im Umfeld müssen mindestens eine, besser mehr Personen von dieser Jammerdiät wissen. Ihre Aufgabe: dich auf dein unabsichtliches Jammern hinweisen.

Tagebuch

Es ist wichtig, dass du am Abend täglich eine Bilanz ziehst:

  • Wie ist es gelungen?
  • Wie oft ist mir aufgefallen, dass ich jammere?
  • Wie oft bin ich von anderen auf mein Jammer hingewiesen. Bedeutet: wie oft habe ich gejammert ohne es zu merken.
  • Und so weiter …

Die Erfahrungen zu reflektieren und die eigenen Gedanken aufzuschreiben (am besten handschriftlich) ist meiner Meinung nach sehr hilfreich. Die Reaktion des Lebens auf diese Jammerdiät ist echt krass überraschend. Für mich war es ein echter »Augenöffner«. Mir war nicht klar, wie sehr ich versteckt jammerte.

Zieh das 2 Wochen durch und lass mich wissen wie es dir damit ergangen ist. Entweder hier als Kommentar oder »privat« über eine Email an@hokuspokusfokus.de

Viel Spaß bei der Jammerdiät und erst recht viel Freude beim darauffolgenden Erlernen des bewussten Jammern, als erster Schritt zu dich auf das erwünschte auszurichten.

Michael Antoni Unterschrift

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